🐦 Where in the World is Papageno
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Die Zauberflöte wird seit bald neunzig Jahren aufgenommen, und ihre Diskographie ist eine Geschichte der Aufführungsstile im Kleinen. Jede Epoche hat das Stück anders gehört: als Märchen, als feierliches Tempelritual, als scharfkantiges Theater. Sieben Aufnahmen, über diese Epochen verteilt, erzählen die Geschichte gut, und keine davon ist zum bloßen Dokument gealtert.
Thomas Beechams Berliner Sitzungen von 1937 und 1938 mit den Berliner Philharmonikern ergaben die erste große Studio-Gesamtaufnahme. Die gesprochenen Dialoge fehlen, und der Klang zeigt sein Alter, aber Gerhard Hüschs warmer, wortverliebter Papageno und der schiere Glanz der Phrasierung halten sie erstaunlich lebendig.
Karl Böhms Einspielung von 1964 für die Deutsche Grammophon, wieder mit den Berliner Philharmonikern, bleibt das klassische Zentrum des Katalogs, vor allem wegen Fritz Wunderlich, dessen Tamino vielleicht der schönste ist, der je aufgenommen wurde. Dietrich Fischer-Dieskau gibt dazu einen ungewöhnlich nachdenklichen Papageno.
Otto Klemperers EMI-Aufnahme aus demselben Jahr geht den entgegengesetzten Weg: weiträumig, ernst, monumental, ganz ohne Dialoge. Die Besetzung ist purer Luxus, mit Nicolai Gedda und Gundula Janowitz in den Hauptpartien und der jungen Lucia Popp als eisig funkelnder Königin der Nacht.
Georg Soltis Decca-Version von 1969 mit den Wiener Philharmonikern ist Theater durch und durch, scharf vorangetrieben und brillant produziert, mit Cristina Deutekoms seltsamer, faszinierender Königin und Hermann Preys liebenswürdigem Papageno.
Nikolaus Harnoncourt, 1987 in Zürich mit den Kräften des Opernhauses aufgenommen, hat die Partitur von Grund auf neu gedacht: beißende Akzente, sprechende Phrasierung, historische Rhetorik auf modernen Instrumenten. Edita Gruberovás Königin und Barbara Bonneys Pamina geben dem Experiment Starglanz.
Claudio Abbados Live-Aufnahme mit dem Mahler Chamber Orchestra von 2005 ist später Mozart von erstaunlicher Leichtigkeit, durchsichtig, zärtlich und flink, mit René Pape als Sarastro von stiller, unangestrengter Autorität.
Wer eine moderne Sicht auf historischen Instrumenten sucht, greift zu René Jacobs' Aufnahme von 2010 mit der Akademie für Alte Musik Berlin. Sie behandelt die Oper als lebendiges Theater, die Dialoge sind fürs Ohr neu inszeniert, samt Hammerklavier-Kommentaren und Geräuschen, und das Ergebnis kommt dem anarchischen Geist von Schikaneders Vorstadtbühne näher als jede andere Einspielung.
Keine einzelne Version fasst die ganze Oper, und genau das gehört zum Geheimnis des Werks: Es ist Komödie, Ritual und Liebesgeschichte zugleich, und jeder Dirigent muss sich für einen Schwerpunkt entscheiden. Beginnen Sie mit Böhm für den Gesang und mit Jacobs für das Theater, dann lassen Sie die anderen fünf ihre Argumente vortragen. Das Stück ist groß genug, um jedes Mal zu gewinnen.
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