🐦 Where in the World is Papageno
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Der Prinz bekommt die Zauberflöte, die Prüfungen und das Mädchen. Der Vogelfänger bekommt die Lacher und fast immer den lautesten Applaus. Papageno stiehlt der Zauberflöte seit ihrem ersten Abend die Schau, und genau das war die Absicht ihres Verfassers, denn ihr Verfasser hat sich die Rolle selbst geschrieben.
Emanuel Schikaneder leitete das Theater auf der Wieden, schrieb das Libretto und trat am 30. September 1791 im Federkostüm auf die Bühne, um Der Vogelfänger bin ich ja zu singen. Er war ein erfahrener Komiker und wusste genau, was ein Wiener Vorstadtpublikum von ihm erwartete. Mozart, der ihn mochte, gab der Figur volkstümliche Strophenlieder, ein magisches Glockenspiel und ein Erkennungszeichen, das jeder aus dem Theater nach Hause trägt: fünf aufsteigende Töne auf der Panflöte, eine kleine steigende Tonleiter, die das Orchester zurückwirft und die sich durch die ganze Oper zieht wie ein Pfeifen im Dunkeln.
Er ist die menschliche Mitte des Märchens. Tamino ist eine Idealgestalt, tapfer, ernst, auf dem Weg nach oben zur Weisheit. Papageno will ein Abendessen, ein Glas Wein und jemanden, der ihn liebt. Er fällt durch jede Prüfung, die man ihm stellt. Zum Schweigen verpflichtet, plaudert er; zum Heldentum gedrängt, fragt er, ob das nicht bis nach dem Essen warten kann. Und die Oper bestraft ihn für nichts davon. Seine Belohnung ist am Ende genau das, worum er von Anfang an gebeten hat.
Seine dunkelste Szene ist zugleich seine beliebteste. Allein im Finale des zweiten Akts, überzeugt, Papagena für immer verloren zu haben, nimmt er einen Strick und schickt sich an, sich zu erhängen. Er zählt sehr langsam bis drei und hofft dabei laut, dass ihn jemand unterbricht. Die drei Knaben tun es und erinnern ihn an sein Glockenspiel, und binnen einer Minute kippt die Verzweiflung ins übermütige Pa-pa-pa-Duett, zwei halbe Vogelwesen, die sich ins Glück stottern. Gut gespielt ist die Szene komisch und herzzerreißend im selben Atemzug, die ganze Figur im Kleinformat.
Das Publikum liebt ihn mehr als den Helden, weil es sich in ihm wiedererkennt. Helden bestehen Prüfungen; die meisten von uns wollen vor allem Abendessen und Gesellschaft, und Mozart, der Menschen mindestens so gut verstand wie Kontrapunkt, hat dieser Sehnsucht einige der haltbarsten Melodien der Oper geschenkt. Zwei Jahrhunderte großer Papagenos, von Schikaneder selbst über Gerhard Hüsch bis zu Hermann Prey und Walter Berry, haben die Federn in der Familie gehalten. Diese Seite trägt seinen Namen nicht zufällig. Die Frage, die sie jeden Abend beantwortet, ist eine Frage nach seinem Geschmack, einfach und menschlich: Wo auf der Welt singt heute Papageno?
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