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Der Hölle Rache: warum die Arie der Königin der Nacht der Mount Everest der Oper ist

Nicht ganz drei Minuten Musik, und doch kann eine Karriere daran hängen. Der Hölle Rache kocht in meinem Herzen, die zweite Arie der Königin der Nacht, fährt mitten im zweiten Akt der Zauberflöte wie ein Blitz herab: d-Moll, gepeitschte Streicher, eine Mutter, die ihrer Tochter einen Dolch in die Hand drückt und einen Mord verlangt. Sopranistinnen nennen diese Arie vieles. Bequem nennt sie fast keine.

Die Noten erklären einen Teil des Schreckens. Viermal steigt die Arie zum dreigestrichenen F hinauf, dem F über dem hohen C, am äußersten Rand der Sopranstimme, und sie erreicht es nicht in einem einzigen gehaltenen Schrei, sondern über Ketten von Staccato-Koloraturen, jeder Ton einzeln angesetzt, im strengen Tempo, mit einem Orchester, das nicht wartet. Präzision ist dabei nur die halbe Aufgabe. Die Musik muss zugleich nach Wut klingen, die Sängerin braucht also die Genauigkeit einer Flöte und das Temperament einer rachedurstigen Königin im selben Atemzug. Wer sauber, aber kalt singt, liefert eine Zirkusnummer. Wer wild singt und die Intonation verwischen lässt, wird von jedem Ohr im Saal ertappt. Es gibt kein Versteck und keine Zeit, sich zu erholen.

Mozart wusste genau, für wessen Kehle er schrieb. Josepha Hofer, die erste Königin im Theater auf der Wieden 1791, war seine Schwägerin, die älteste Schwester seiner Frau Constanze, und ihre aberwitzige Höhe war in Wien berühmt. Beide Arien der Königin sind um diese Höhe herum gebaut. Hofer behielt die Partie etwa ein Jahrzehnt lang; die schwerste Arie der Oper begann also als Familienangelegenheit.

Jede Generation seither hat eine Handvoll Sängerinnen hervorgebracht, bei denen das Stück möglich klingt. Lucia Popp singt es auf Klemperers Aufnahme von 1964 mit beinahe unheimlicher Reinheit, Eis über Feuer. Cristina Deutekom gab ihm bei Solti einen seltsam flackernden Glanz. Edda Moser, mit dem Bayerischen Staatsorchester unter Wolfgang Sawallisch, setzte Staccati, die wie Funken springen. Diana Damrau machte aus der Arie in ihren Abenden in Covent Garden großes Theater und spielte die Raserei so packend, wie sie sie sang.

Mosers Aufnahme hatte noch eine Reise vor sich. 1977 legte die NASA sie auf die Voyager Golden Record, jene vergoldete Platte mit Klängen und Musik der Erde, die beide Voyager-Sonden mitführen; sie ist dort die einzige Opernarie an Bord. Beide Sonden haben den Einflussbereich der Sonne längst verlassen. Irgendwo draußen tobt die Königin der Nacht also immer noch, ihre hohen F treiben zwischen den Sternen dahin. Wenn je eine Arie die Menschheit vor dem Universum vertreten sollte, dann passt es, dass wir jene gewählt haben, die fast niemand von uns singen kann.

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